28. Jänner 2007: Hochschule päpstlichen Rechtes

Papst Benedikt XVI. hat mit Datum vom 28. Jänner 2007, Fest des hl. Thomas von Aquin, die Hochschule zur „Hochschule päpstlichen Rechtes“ erhoben. Die Hochschule wird dadurch im 205. Jahr ihres Bestehens endlich selbständig.

Laut Dekret ist der Abt von Heiligenkreuz fortan „Magnus Cancellarius“ der Hochschule (bisher „Rektor“); er vertritt gleichsam die Stelle des Heiligen Stuhles und verleiht die akademischen Grade (vorerst nur „Magister theologiae“) im Namen des Papstes. Mit Wirkung vom 3. April 2007 hat der Heilige Vater unseren jetztigen Abt Gregor Henckel-Donnersmarck auch insofern ausgezeichnet, indem er ihm den violetten Pileolus, der sonst nur Bischöfen und höchstrangigen Äbten vorbehalten ist, verliehen hat.

Der bisherige Dekan, P. Dr. Karl Wallner, wurde auf 4 Jahre zum „Rektor“ bestellt; seine Agenden bleiben im Wesentlichen gleich. Er darf die Arbeit machen.

Die Hochschule trägt auf Wunsch des Herrn Abtes fortan den Namen  „Philosophisch-Theologische Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“.

Information zur Erhebung zur Hochschule päpstlichen Rechtes

1. Die Erhebung

1erhebungEs ist uns ein Anliegen, auf der Homepage zu informieren, dass unsere Hochschule im 205. Jahr ihres Bestehens (gegründet 1802 als „Institutum Theologicum“) von Papst Benedikt XVI. am 28. Jänner 2007 zur Hochschule päpstlichen Rechtes erhoben worden ist.

Damit erlangt die bisher schon als „Phil.-Theol. Hochschule“ staatlich anerkannte Institution eine größere Selbständigkeit gegenüber den österreichischen Fakultäten, von denen wir in der Anerkennung der Studien bisher abhängig waren.

Für unser 1133 gegründetes Stift hier in Österreich, aber auch für unseren ganzen Orden ist das ein großer Schritt, denn Heiligenkreuz ist ja die einzige Hochschule in unserem doch immerhin schon über 900 Jahre alten Zisterzienserorden… Und sie ist auch die einzige (aktive) Ordenshochschule Österreichs.

Die Studienpläne bleiben gleich und entsprechen denen an den anderen österreichischen Fakultäten, insbesondere der Kath.-Theol. Fakultät der Univ. Wien: wir bieten nur Fachtheologie im Diplomstudium, also bis zum „Magister theologiae“ (Lizenziats- und Doktoratsstudien können wir nicht bieten.) Dazu kommt das Angebot des „Dritten Bildungsweges“ für besondere Fälle… Außerdem haben wir einen Theologischen Grundkurs für Nicht-Maturanten zur Vorbereitung auf die Studienberechtigungsprüfung, die an der Universität Wien abgelegt werden kann. Diese Studienberechtigungsprüfung steht seit 2005 allen EU-Bürgern offen, also auch Nicht-Österreichern.

2. Positive Entwicklung seit 1976

2entwDie Erhebung der Hochschule kommt nicht von ungefähr, da es in den letzten Jahren, schon seit 1976, zu einem eindrucksvollen Wachstum des Stiftes Heiligenkreuz und der Hochschule gekommen ist, die mit einer Verjüngung des Lehrkörpers und anderen qualitätssteigernden Maßnahmen verbunden waren:

So studieren an der nunmehr „Päpstlichen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ derzeit 167 Studierende, davon 113 Ordensleute und Priesteramtskandidaten.

Die Zahl aller, die an der Hochschule lehren, beträgt derzeit insgesamt 37, von ihnen hat die Bildungskongregation 11 zu ordentlichen Professorinnen und Professoren ernannt. Von diesen 13 Ordinarien sind 8 Zisterzienser, 2 Benediktiner und 1 Laie, eine Professorin. Unter den weiteren außerordentlichen Professoren, Gastprofessoren, Dozenten, Assistenten und Lehrbeauftragten finden sich etliche Priester und Ordensleute, natürlich auch mehrere Frauen.

3. Einzige Hochschule des ganzen Zisterzienserordens

3einzDer zisterziensisch-benediktinische Charakter des Professorenkollegiums ist durchaus beabsichtigt: Schließlich ist die Hochschule die einzige akademische Bildungseinrichtung im ganzen Zisterzienserorden. In den letzten Jahren wurde die Hochschule im Zisterzienserorden verstärkt wahrgenommen, sodass fast alle deutschsprachigen Zisterzienserklöster die Hochschule mit Studierenden beschicken.

Die Hochschule leistet aber auch Hilfe gegenüber den blühenden Zisterzienserklöstern in Vietnam, wo das kommunistische Regime immer noch repressiv gegen die Ordensgemeinschaften vorgeht und z. B. die Priesterweihen reglementiert. Derzeit studieren 9 Zisterzienser aus Vietnam an der Hochschule.

Die Hochschule beabsichtigt u. a. ein „Institut für zisterziensische Theologie, Spiritualität und Geschichte“ einzurichten, in dem wissenschaftliche Kräfte des Zisterzienserordens (und vielleicht auch des Trappistenordens) gebündelt werden sollen.
Die Hochschule Heiligenkreuz ist nicht nur die einzige des Zisterzienserordens, sondern auch die einzige aktive Ordenshochschule in Österreich.

4. Ordensnachwuchs und Priesterausbildung als primäres Ziel

4ordenDas primäre Ziel ist die Ausbildung von Priesteramtskandidaten und Ordensleuten; Laien können nur unter bestimmten und klar definierten Bedingungen in Heiligenkreuz studieren: mit ausdrücklicher persönlicher Erlaubnis des Abtes.

Die Hochschule Heiligenkreuz will einzig innerhalb der legitimen Vielfalt theologischer Ausbildungsmöglichkeiten das Segment der theologischen Ausbildung von Priesteramtskandidaten und Ordensleuten betreuen. Die Hochschule will und kann nie eine Konkurrenz zu den anderen Studienorten sein, sie versteht sich als ein Angebot unter anderen.

Das Besondere der Hochschule ist sicher die Verbindung von Theologie und Spiritualität und die Lebensgemeinschaft zwischen Lehrenden und Studierenden, wo z. B. die Professorinnen und Professoren auch in ihrer persönlichen Gläubigkeit erlebt werden können…

Im Jahre 2006 wurden 12 Absolventen, im Jahre 2005 16 Absolventen der Hochschule zu Priestern geweiht usw.

5. Zusammensetzung der Studierenden

5zusammenStand vom 8. 2. 2007: 113 der 167 Studierenden sind Priesteramtskandidaten und Ordensleute: Die Bemühungen der letzten Jahre um einen niveauvollen Studienbetrieb, um neue Professoren mit kirchlicher Gesinnung, um genaue Beachtung der Studienordnung, um Vertiefung der Treue zum kirchlichen Lehramt usw. haben insofern Früchte getragen, als die Zahl der Studierenden seit einigen Jahren kontinuierlich gestiegen ist: 1999 waren es 63; 2007 sind es 167.

Der Zustrom kommt vor allem aus dem Zisterzienserorden, aber auch durch Seminaristen aus österreichischen und deutschen Diözesen, sowie aus „Neuen Gemeinschaften“, die sich teils sogar ausdrücklich zum Zweck des Studiums im Umkreis von Heiligenkreuz angesiedelt haben. Insbesondere sind hier zu nennen das diözesane Missionskolleg „Redemptoris Mater“ des neokatechumenalen Weges in Sparbach und die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ mit ihrem deutschsprachigen Studienhaus in Hinterbrühl. In Heiligenkreuz studieren aber auch über die Vermittlung von Pro Oriente orthodoxe Studenten aus Russland.

6. Zur Geschichte

6geschichteDie heutige Hochschule hat ihren Ursprung schon in der Gründung des Stiftes Heiligenkreuz im Jahre 1133, insofern die intellektuelle und spirituelle Ausbildung des Ordensnachwuchses zur Natur eines benediktinischen Klosters gehört.

Im Spätmittelalter und in der Barockzeit gab es verschiedene Initiativen, das Studium zu institutionalisieren. Die Bildungsbegeisterung der Zisterzienser führte u. a. dazu, dass der Abt von Heiligenkreuz 1365 selbstverständlich positiv für die Gründung der Universität Wien votierte.

Schließlich wurde im Jahre 1802 die heutige „Philosophisch-Theologische Hochschule Heiligenkreuz“ in Form eines „Institutum Theologicum“ gegründet. Das Institut war anfänglich eine von vielen klostereigenen oder diözesanen „Hauslehranstalten“ (lateinisch: „Instituta theologica“), die in der Vor-Romantik als katholische Reaktion auf die josephinische Unsitte der „Zentralseminarien“ gegründet wurden. Fast alle dieser „Hauslehranstalten“ sind aber im Laufe der Zeit eingegangen.

Im Stift Heiligenkreuz wurde der Lehrbetrieb von 1802 bis heute kontinuierlich durchgeführt, nur während der beiden Weltkriege kam es zu kurzen Unterbrechungen. Im Zuge einer österreichweiten Studienreform wurde die Theologische Hauslehranstalt 1976 in eine „Philosophisch-Theologische Hochschule“ umgewandelt, die Studien wurden von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien betreut. 2007 wurde die Hochschule nun vom Heiligen Stuhl als „Hochschule Päpstlichen Rechtes“ errichtet.

7. Leitung der Päpstlichen Hochschule

7leitungFür die Erhaltung der Hochschule und des Studienbetriebes gibt es derzeit keine staatlichen oder kirchlichen Zuschüsse. Das Stift Heiligenkreuz allein leistet die Erhaltung und Wartung des Hochschulgebäudes, die Bezahlung der Unterrichtenden, der angestellten Hochschulsekretärin und der Bibliotheksgehilfen, des Reinigungspersonals usw. Dies ist nur möglich, weil die Professoren zum Großteil aus den eigenen Reihen gestellt werden können und die auswärtigen bereit sind, sich nur äußerst geringfügig entschädigen zu lassen…

Der jeweilige Abt des Stiftes Heiligenkreuz ist in Zukunft ex offo „Magnus Cancellarius“ und hat weitgehende Kompetenzen; er verleiht fortan die kanonischen Grade, die auch staatlich anerkannt sind, im Namen des Papstes. Konkret handelt es sich hier um den Diplomabschluss als „Magister theologiae“.
Die konkrete Leitung der Hochschule obliegt dem „Rektor“, als welcher vom Heiligen Stuhl auf vier Jahre Prof. P. Dr. Karl Wallner, der bisherige Dekan, ernannt wurde.

8. Räumlichkeiten

8raumDie Hochschule ist in einem eigenen ansehnlichen Gebäude, einem ehemaligen Wirtschaftshof, in unmittelbarer Nähe des Stiftes untergebracht; es gibt u. a. ein Auditorium maximum (max. 200 Plätze), ein Auditorium philosophicum (max. 80 Plätze), eine Studienbibliothek, einen Internetraum, einen Konferenzraum, mehrere Seminar- und Prüfungsräume, eine gemütliche Cafeteria…

Zur Zeit wird gerade das Auditorium Maximum restauriert, im Sommer 2007 soll die Studienbibliothek neu eingerichtet werden; ebenso werden Räume für die Institute der Päpstlichen Hochschule geschaffen werden.

Sorgen bereitet uns die Platznot im Konvent, da das Kloster übervoll ist…
 

 

 

 

FOTOS und EINDRÜCKE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eindrücke vom Festakt am 11. Mai 2007


Am 11. Mai 2007 feierten wir in einem stilvollen Festakt im Kaisersaal die Erhebung zur Hochschule päpstlichen Rechtes. Fernsehen und Radio haben darüber berichtet, 350 Gäste waren gekommen, die musikalische Gestaltung durch das Zisterzienser-Ensemble, durch den Gesang zisterziensischer Mitbrüder aus Vietnam und durch den erst 2006 in Heiligenkreuz getauften Opernsänger Lars Woldt waren eindrucksvoll.
Fast alle Professorinnen und Professoren waren anwesend, natürlich alle 160 Studierenden, dazu die Bischöfe Kapellari, Laun und Lackner, die Äbte von Zwettl, Lilienfeld und Rein; eine große Zahl von Prioren, Oberen und Würdenträgern; drei Botschafter, natürlich unser Bürgermeister Johann Ringhofer usw. usw.
Abt Gregor schilderte eingangs kurz, wie es zu dem Projekt „Päpstliche Hochschule“ gekommen war, Anlass war die Wallfahrt der gesamten Hochschule nach Rom und die Audienz bei Papst Johannes Paul II. und an der Bildungskongregation im Jahr 2002.
Es gab Grußworte des Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Josef Höchtl im Namen des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, das in kürzester Zeit die Bestätigung der Gleichwertigkeit des von Heiligenkreuz fortan selbst verliehenen „Magister theologiae“ bestätigt hat. In Vertretung von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll hob der niederösterreichischen Landtagsabgeordnete Mag. Klaus Schneeberger die Bedeutung der Hochschule für Niederösterreich hervor und verhieß finanzielle Unterstützung. Im Namen der Universität Wien sprach Vizerektor Dr. Günther Vinek wegweisende Worte; im Namen der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien gab die Vizedekanin Dr. Christa Schnabl der neuen selbständigen Hochschule wertvolle Ratschläge auf den Weg.Unser Professor für Kirchengeschichte, P. DDr. Alkuin Schachenmayr, zugleich Vizerektor, hielt einen Kurzvortrag über das Verhältnis der Studien in Heiligenkreuz zur Universität Wien. Erheiternd war, dass 1386 der erste Absolvent der Katholichen Fakultät in Wien ein Heiligenkreuzer Zisterzienser war. 1802 wurde dann das Institut in Heiligenkreuz gegründet, 1976 erfolgte die Errichtung als Hochschule, 2007 nun als „Päpstliche Hochschule“.Der Apostolische Nuntius Dr. Edmond Farhat in Österreich überraschte durch eine vollständig lateinische Ansprache, für die sich der Rektor P. Dr. Karl Wallner, der die Feier moderierte, auf lateinisch bedankte. Besonders wertvoll empfanden viele den Inhalt der Ansprache des Generalabtes des Zisterzienserordens, Dom Maurus Esteva Alsina, da es sich ja um die einzige Hochschule im Zisterzienserorden handelt. Kardinal Christoph Schönborn schloss mit drei eindrucksvollen Ratschlägen an die Studierenden: die Grundlage solle immer die Heilige Schrift sein, er habe von Kardinal Ratzinger gelernt, dass dieser immer die griechische Ausgabe des Neuen Testamentes bei sich trage; sein neues Jesus Buch sein beste biblische Theologie; zweitens sollen die Studenten die Texte der Kirchenväter und großen Theologen im Original lesen, nicht aus der Sekundärliteratur; und drittens immer „auf Christus schauen“, also den Kopf mit dem Herz verbinden, in einem liebenden Dialog mit dem Herrn. Der Festakt war musikalisch exzellent durch Kantor P. Simeon Wester gestaltet, er ließ sein Zisterzienser-Ensemble mit Tuba, Pauken und Trompeten musizieren; natürlich sang die Schola auch im Gregorianischen Choral. Der erst 2006 in Heiligenkreuz getaufte Opernsänger Lars Woldt sang das Rezitativ und die Arie „Sie schallt die Posaun“ von Friedrich Händel. Und unsere Zisterzienser-Mitbrüder aus Vietnam rührten uns durch den Gesang „Xin Vang – Fiat“. Nach der Teilnahme am Chorgebet in der Abteikirche klang der Festakt mit einem Mittagessen für alle 350 Teilnehmer im Klostergasthof aus. – Wir danken Gott, dass er diesen Tag gesegnet hat und dass wir von sovielen Freunden getragen werden.