







Am 29. April 2010 war es wieder so weit: Die Professoren und Studierenden der philosophisch-theologischen Hochschule Papst Benedikt XVI. Heiligenkreuz im Wiener Wald schulterten die Rucksäcke zum alljährlichen Hochschulausflug. Der Rektor Prof. Pater Karl Wallner OCist lud an diesem Tag zu insgesamt drei Stationen ein, welche von zwei stärkenden Aufenthalten in Gasthäusern umrahmt werden sollten: eine Heilige Messe mit Exzellenz Bischof Klaus Küng im Dom zu St. Pölten, das Atomkraftwerk Zwentendorf sowie die ehemalige Kartause Mauerbach sollten uns einen schönen und interessanten Tag bescheren.
Nachdem sich die etwa 120 Mann starke Hochschulgemeinschaft und auch jene, welche die akademische Viertelstunde in Anspruch nahmen, in die extra bereitgestellten zwei Busse begeben hatten, brachen wir direkt nach St. Pölten auf. Pater Karl begrüßte uns per Busmikrofon und erläuterte uns noch einmal kurz den Tagesablauf, wonach wir die Fahrt nach St. Pölten mit Gebeten und Sitznachbarn genossen.
In St. Pölten angekommen wurde unsere illustre Gemeinschaft gleich zur Attraktion der Anwohner, denn die sicher selten angetroffene Vielzahl von Mönchen, Ordensbrüdern und -schwestern lenkten die Blicke unwillkürlich auf sich.
Im Dom zu St. Pölten, der durch seine beeindruckende Ausgestaltung alle Teilnehmer beeindruckte, feierten wir eine wunderbare Heilige Messe. Nach einer kurzen Begrüßung lauschten wir alle gespannt der Homilie des Diözesanbischofs Klaus Küng, der besonders die Heilige Katharina von Siena, welche die in Ihrer Zeit schwierige Situation der Kirche durch selbstlosen Einsatz, Heiligkeit und inbrünstige Liebe tragen half. Besonders machte er uns auf die Ähnlichkeit der damaligen Zeit mit der heutigen aufmerksam und rief jeden einzelnen von uns auf der Heiligen im ganzen Tun und Streben nachzueifern.
Die Vielzahl der mitgereisten konzelebrierenden Priester, die direkt oder indirekt am Wirken der Hochschule beteiligt sind, wurden musikalisch von der Heiligenkreuzer Choralschola unter der Leitung von P. Simeon umrahmt. Besonders erwähnt sei hier auch der unerkannte Organist der Messe, der mit beeindruckenden Fähigkeiten die Seelen aller Beteiligten zu Gott jubeln half. Als sich die gesamte Gemeinschaft um den Altar versammelte, um das Opfer des Herrn zu feiern, wurden die Anliegen der Hochschule; der Priester- und Laienausbildung; die Sorgen, Nöten und Wünsche jedes einzelnen und ganz besonders die Diözese des Bischofs vor den Thron Gottes getragen.
Nach der Heiligen Messe war ca. eine Stunde freie Zeit eingeplant, welche die Einen zum stillen Verweilen im Dom, die Anderen zum Erkunden St. Pöltens nutzten. Frater Johannes Paul nahm auch gleich die Gelegenheit war, um mit seiner Mini-HD-Kamera Videos des Ausflugs und Interviews für den Monastic-Channel auf youtube zu drehen. Nachdem sich alle wieder in den Bussen eingefunden hatten und auch der Verbleib verirrter Personen geklärt war, sollte uns unser Weg zur mittäglichen Einkehr in ein Gasthaus bei Zwentendorf führen, wobei Pater Karl auch die leckeren Menüs aufzählte, welche wir im Verlaufe des Tages – der eine früher, der andere später – verzehren sollten. Danach freuten wir uns doch auf das Atomkraftwerk, das uns mit seinen Tonnen von Beton und Stahl schon aus der Ferne zuwinkte.
Die Besichtigung des Atomkraftwerks ist trotz seiner Stilllegung normalerweise unmöglich, doch Pater Karl konnte uns dieses einmalige Privileg durch eine Bekanntschaft vermitteln. Nach einem Empfang mit Getränken und einer Ansprache wurde die Hochschulgemeinschaft in mehrere Gruppen aufgeteilt. Auch ein verlorener Sohn, der verirrt im Gasthaus zurückgeblieben war, wurde durch die Mithilfe eines Kellners dann doch noch am Atomkraftwerk abgeliefert. So konnte die nun wieder komplett stehende Gruppe in mehrere Kleingruppen aufgeteilt werden, um von relativ fachkundigen Führern durch die mehr als 1.100 Räume des stillgelegten Kraftwerks geführt zu werden. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die Gruppe, welche keinerlei Höhenmeter per pedes, sondern ausschließlich durch automatischen Hebeeinsatz, nämlich Fahrstühlen, durch das Kraftwerk transportiert werden sollte.
Alle Beiwohnenden zeigten sich sehr interessiert an dem hochkomplexen Kraftwerkskonstrukt, welches einzig und allein deshalb noch in Stand gehalten wird, da Einzelteile wie z.B. Generatoren noch verkauft werden sollen. In dem ohne Frage interessanten Bauwerk ließen wir uns alles, von den Turbinen über die Brennstäbe, die Rohre, Kammern und Druckluftsysteme bis hin zum Ablauf einer Kernspaltung erklären; wobei die 1 ½ Stunden der Führung flugs vergingen. Und irgendwo in der Steuerzentrale des Kraftwerks steht nun ein Frater des Stiftes Heiligenkreuz als Dienstaufsehers des Jahres 1987 im Protokollbuch.
Auf der Fahrt zur letzten Station, der Kartause Mauerbach, waren die meisten Ausflügler dann doch ein wenig k.o. von der Kraftwerksführung, und auch die für die meisten sättigende Mahlzeit ließ die Schläfrigkeit wachsen. So wurde es dann selbst bei der freudigen Truppe der Seminaristen des Leopoldinums ein wenig ruhiger, so dass wir uns ganz auf die Spiritualität der Kartäuser einstimmen konnten.
An der Kartause angekommen, die uns mit in die Abendsonne getauchten Dächern begrüßte, wurde uns leider eröffnet, dass wir auf Grund der Verzögerungen im Gasthaus nur mehr eine halbe Stunde Zeit für eine Besichtigung hätten, da um 18:00 schon die Vesper in der ehemaligen Kartäuserkirche gebetet werden sollte. So führte uns eine Dame, welche die Führung anleitete, ein wenig auf dem Areal herum und erläuterte uns einige interessante Aspekte des kartusianischen Lebens. Der 120 Meter lange Kreuzgang war ebenso beeindruckend wie die Besichtigung eines Kartäuser-Hauses, welches die meisten von uns wohl nur aus dem Film „Die große Stille“ kannten. Viele nutzten dann auch gleich wie der Herr Abt die Gelegenheit, um auf einem Kartäuser-Strohbett probe zu sitzen oder in der typisch hölzernen Gebetsecke ein kurzes Gebet zu sprechen.
Eben der Herr Abt war es dann auch, der uns dezent, aber doch mit stillem Antrieb, in die Kirche bat, wo wir die von den Seminaristen des Leopoldinums gestaltete Vesper beteten. Es war wohl das erste Mal seit der Säkularisierung des nun für archäologische Ausbildungszwecke dienenden Klosters, dass so viele Ordensleute, unter dem Vorstand von Pater Pirmin, in der Klosterkirche das Stundengebet der Kirche beteten.
Nach diesem kurzen, aber sehr eindrücklichen Erlebnis fuhren wir erschöpft aber glücklich, die untergehende Abendsonne auf die Gesichter scheinen lassend zurück nach Heiligenkreuz, während wir gemeinsam den Rosenkranz – ein jedes Gesätzchen in einer anderen Sprache – beteten. Im Stiftsgasthof klang dann ein schöner Tag mit einem guten Abendessen aus, bei welchem die Gelegenheit zu regem Austausch noch einmal genutzt wurde, bevor Studenten wie auch Professoren nach und nach entschwanden und sich zur Ruhe begaben.
Der Hochschulausflug war ein kontrastreiches, schönes Programm, welches der Hochschulgemeinschaft die Möglichkeit gab, sich untereinander besser und inniger kennenzulernen. Für dieses Geschenk der Hochschulführung an die Studenten sind wir sehr dankbar und freuen uns schon auf weitere interessante Unternehmungen, in welcher wir die Gemeinschaft in Christus unserem Herrn voller Freude leben dürfen und können.
Elisabeth Pfeffer
26. Mai 2010